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Dioxin:

Duisburg und Dortmund Spitze im Umweltschmutz

Der Süden Duisburg ist einer von drei „hot spots" in Nordrhein-Westfalen, die als besonders belastete Regionen angesehen werden. In Dortmund-Hörde, Duisburg-Nord und -Süd führt das Landesumweltamt demnächst umfangreiche medizinische Untersuchungen durch, um die Belastung der Bevölkerung möglichst genau fest zu stellen. Im „hot spot" Duisburg Süd soll sich die Untersuchung auf die Schadstoffe Blei, Cadmium, Staub und Dioxin konzentrieren.

Untersucht werden sollen Kinder, die im nächsten Jahr eingeschult werden und deren Mütter. Dazu wollen die Behörden die Schulanfänger-Untersuchungen nutzen. Um möglichst genaue Aussagen machen zu können, will das mit der Erhebung beauftragte Institut für Umwelthygiene jeweils vierhundert Kinder und Mütter um ihre Mitarbeit bitten.

Alle an der Untersuchung beteiligten Einrichtungen erschienen zu einer erneuten Bürgerversammlung im Evangelischen Gemeindehaus am Ort, um die Pläne zu erläutern. Hohe Regierungsbeamte machten durch ihre Anwesenheit deutlich, dass das Umweltministerium die Sorgen der Bürgerschaft ernst nimmt und um eine deutliche Verringerung der Schadstoffbelastung bemüht ist. Deshalb ist es ein Ziel der Bürgerinitiative, bei der Landtagswahl im nächsten Jahr mitzuhelfen, dass Bärbel Höhn als Umweltministerin im Amt bleibt.

Unverständnis unter den Bürgern riefen allerdings die Ausführungen von Mitarbeitern des Staatlichen Umweltamtes zu dem neuerlichen Störfall bei der B.U.S. hervor. Ausgerechnet an der als Beitrag zum Umweltschutz gepriesenen neu erbauten Pelletieranlage waren Anfang Oktober vierhundert Kilo mit Dioxin belasteter Staub ausgetreten. Burkhard Ziegler, der Leiter des Umweltamtes erklärte, er habe darauf die vorläufige Stilllegung der Pelletieranlage angeordnet. Das Wälzrohr wäre von dieser Anordnung aber nicht betroffen.

„Dann läuft ja die Anlage wie vor den Störfällen weiter", stellte eine Kindergartenmutter fassungslos fest. Die Mitarbeiter des Staatlichen Umweltamtes erklärten, dass sie keine rechtliche Handhabe hätten, den Betrieb still zu legen.

Fachleute der Bürgerinitiative wiesen nach, dass der neue Störfall vermeidbar gewesen wäre, wenn man von vorn herein die Anlage auf den neuesten Stand der Sicherheitstechnik gebracht hätte. Die Bürgerinnen und Bürger mussten wieder einmal zur Kenntnis nehmen, dass der Profit den Betreibern der B.U.S. über alles geht und die Sicherheit der um die Anlage wohnenden Menschen einen Minusposten bei der Gewinnberechnung darstellt.

Wenige Tage nach der Bürgerversammlung konnte das Staatliche Umweltamt einen Erfolg bei der Auseinandersetzung mit der B.U.S. bekannt geben. Die B.U.S. war gerichtlich gegen Verfügungen des Umweltamtes zur Erhöhung der Betriebssicherheit vorgegangen. Das Gericht gab dem Umweltamt Recht. Die B.U.S. muss deshalb die Sicherheitstechnik der Anlage genauestens untersuchen und das Ergebnis der Untersuchung dem Umweltamt bis zum Jahresende vorlegen. Ziel dieser Untersuchung ist, Schwachstellen in der Anlagensicherheit aufzudecken und abzustellen.

Aufmerksam nimmt die Bürgerinitiative immer wieder auftauchende Gerüchte über den Verkauf der Gesellschaft Euro Waste Service (EWS) wahr, zu der die B.U.S. AG gehört. Der EWS ist durch kriminelle Machenschaften der ehemaligen Inhaber, die Gelder in dreistelliger Millionenhöhe veruntreut haben, schwer angeschlagen. Nun scheint sich ein Käufer für den maroden Konzern gefunden zu haben. In der Tageszeitung stand zu lesen, dass die 45 Gläubigerbanken des EWS dem Verkauf an die Amsterdamer Rebon BV zugestimmt haben. Hinter Rebon steht eine deutsche Investorengruppe, die offenbar bereit ist, 350 Millionen Mark Bankschulden zu übernehmen und dem Konzern 50 Millionen Mark an flüssigen Mitteln zu verschaffen. Vermutlich bauen die Investoren darauf, dass die Tochter der EWS, die B.U.S. weiterhin kräftig schwarze Zahlen schreibt und die investierten Millionen in üppige Gewinne umwandelt. Man kann sich leicht ausmalen, dass bei einem solchen Monopoly-Spiel in weltweitem Maßstab Umwelt und Menschen die Verlierer bleiben.

Es wird bis zum Ende des Jahres 2001 dauern, bis ein Ergebnis der Gesundheitsuntersuchung vorliegt. Selbst wenn eine auffällig erhöhte Ansammlung von Schadstoffen in den menschlichen Körpern festgestellt werden sollte, wird dies nicht automatisch irgendwelche Konsequenzen nach sich ziehen. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger wird weiter gefragt bleiben, damit Firmen wie die B.U.S. wenigstens dazu gezwungen werden, die Auflagen zur Anlagensicherheit und zum Umweltschutz zu beachten.

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Letzte Aktualisierung: 18.12.03

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