Solidaritätserklärung mit dem Volk der KaingangDas Volk der Kaingang siedelt in mehr als 30 Dörfern und in Hüttenniederlassungen in Elendsvierteln vieler Städte und entlang der Überlandstraßen in den Bundesländern São Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul. Es ist eines der indigenen Völker, das weiterhin existiert, obwohl es in den vergangenen 500 Jahren unzähligen Massakern ausgesetzt war. Die Kaingang-Häuptlinge sind überzeugt, daß sie die Massaker und die Ausgrenzung überlebt haben, weil sie fähig waren, ihren Lebensraum zu verteidigen und ihre Kultur und Traditionen zu bewahren: die Muttersprache, den Familienzusammenhalt, das Kunsthandwerk und die enge Verbindung mit der Mutter Natur und anderes. Seit fast 25 Jahren hören der Evangelisch-Lutherische Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg und der Indianermissionsrat der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) den Schrei der Kaingang nach Lebensverwirklichung und Gerechtigkeit. Sie arbeiten mit ihnen partnerschaftlich zusammen. Diese Partnerschaft zwischen dem Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg und dem Indianermissionsrat der IECLB, in die die Kaingang-Gemeinden eingebunden sind, führt nach und nach zu einer tieferen Freundschaft und zur gegenseitigen Verantwortung. In dem Jahr, in dem in Brasilien sehr einseitig an die 500jährige Präsenz europäischer Menschen gedacht wird, wollen wir erneut unsere Verbundenheit und Solidarität mit den Kaingang beteuern. Für die Kaingang hat vor allem die Kolonisierung ihrer traditionellen Territorien durch europäische Siedler in den letzten 170 Jahren viele Verluste und großes Leiden gebracht. Im Blick auf ihre Zukunft halten die Kaingang folgende Punkte für unbedingt wichtig: - den Willen und das Recht auf Beibehaltung der Muttersprache als Erbe der Vorfahren; - den Wunsch und die Notwendigkeit der Förderung der Familienzusammengehörigkeit und der Erziehung der Kinder nach den eigenen Methoden; - die Sicherung von fruchtbaren Ländereien, auf denen Nahrungsmittel angebaut und Aufforstung betrieben werden können, damit keiner mehr hungern und frieren muß; - den vollen Einsatz für die Gesundheit und das Glück ihrer Kinder; - das Ziel, mehr Lehrer und Lehrerinnen aus dem eigenen Volk zu haben, damit in den Schulen weiterhin Kinder, junge Leute und Erwachsene die Muttersprache, die Geschichte des Kaingang-Volkes und die lebenswichtige Bedeutung der Natur lernen; - die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu gestalten und zu schreiben, gleichberechtigt mit der umgebenden Gesellschaft.
Den Partnern und Partnerinnen des Evangelisch-Lutherischen Dekanates Sulzbach-Rosenberg und des Indianermissionsrates der IECLB sind die Kaingang-Gemeinden dankbar, weil sie mit Schwestern und Brüdern rechnen können, die ihnen helfen, trotz kultureller, geographischer und ethnischer Unterschiede den Traum und die Hoffnung der Kaingang auf ein würdiges Leben zu verwirklichen, indem sie weltweit deren Existenz, Kampf und Lebenswillen bekanntmachen. Wir, die Partner in Brasilien und Deutschland, verpflichten uns öffentlich, weiterhin dem Volk der Kaingang unsere Unterstützung und Solidarität zum Schutz des Lebens zukommen zu lassen. Damit wollen wir nach aller Schuld konkret am Versöhnungsprozeß mitwirken, der in Jesus Christus seinen Grund und sein Ziel hat. Dekan Rainer Gerhardt Pfarrer em. Wilfrid Buchweitz Pfarrplatz 6 Rua Amadeo Rossi, 467 D- 92237 Sulzbach-Rosenberg BR 93030-220 São Leopoldo RS
Diese Solidaritätserklärung wurde durch die Dekanatssynode des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirkes Sulzbach-Rosenberg und vom Indianermissionsrat der IECLB, am 8. April 2000, beschlossen.
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