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Das Fest der 2000 Frauen

1000 Frauen der Gegenwart ehren 1000 Frauen der Geschichte

Obwohl es beinahe unmöglich ist, in Kurzform vom Fest der 2000 Frauen zu berichten, will ich es dennoch versuchen. Ich möchte Sie und Euch einfach teilhaben lassen, an einem ganz außergewöhnlichen „Geschichtskongress“, welcher am l. und 2. Juni 2000 in der Alten Oper in Frankfurt am Main stattfand und welcher mich faszinierte und tiefbewegte.
Die Idee dazu hatte Dagmar von Garnier, eine Künstlerin und Tanzpädagogin aus Frankfurt, nachdem sie schon 1986 das Fest der 1000 Frauen initiierte und durchführte. „The Dinner Party“ - ein Kunstwerk von Judy Chicago war der Anstoß für Dagmar von Garnier, sich mit dem Erbe der Frauen zu beschäftigen und andere Frauen zu inspirieren und anzustecken, mit ihr auf den Weg zu gehen.
Für das Fest der 2000 Frauen hatten sich über 300 Frauen auf die Suche nach „ihrer“ Frau begeben, deren Vermächtnis in Vergessenheit geraten war und wieder lebendig werden sollte. Frauen der Gegenwart bewegten sich auf den Spuren historischer Frauen, mythologischer Frauen, Frauen, die als Hexen verbrannt wurden, Mütter von Töchtern und solchen Frauen, an die sonst kaum einer denkt, wie z.B. eine Trümmerfrau, eine einfache Landfrau oder Die weise Alte. Es wurde ein lebendiges Fest mit Reden, Gedichten, Tänzen und Performances, welches dann mit einem außergewöhnlichen Konzert beendet wurde. Dieses Konzert war „eine Reise für Auge und Ohr auf den Ton- und Tanz-Spuren großer Frauen der Geschichte und der Gegenwart. Von Barock bis Jazz, von hinreißendem Samba bis zum kraftvollen Balkan-Rhythmus“ - so war es im Programm zu lesen und hatte alle Erwartungen mehr als erfüllt.
Der eigentliche Höhepunkt jedoch war die Einweihung eines Frauen - Gedenk - Labyrinths auf dem Platz vor der Alten Oper. Dieses Labyrinth wurde ans 1000 Steinen gebildet und wurde von 1000 Festteilnehmerinnen in einer rhythmischen Schrittfolge begangen. Auf über 300 dieser Steine sind die Namen der zu ehrenden Frauen eingraviert, die anderen Steine sind frei geblieben und warten auf weitere Frauen, die es verdienen, geehrt zu werden.
„Meine“ Frau war die persische Dichterin, Dokumentarfilmerin und Schauspielerin „Forugh Farrochs-ad. Ihre Gedichte drücken eine unendliche Kraft und Fülle weiblicher Stärke aus, die mich auf ihre Spuren gehen ließen. Ihre Sehnsucht nach Freiheit und vollem Leben kann ich gut verstehen, da ich selbst in Enge und Begrenztheit großgeworden bin. Die „bedeutendste Poetin der modernen persischen Literatur“ (Kindlers Neues Literatur Lexikon) in aller Öffentlichkeit zu ehren, dürfte auch ein willkommener Anlass sein, zwei sehr verschiedene Kulturen einander näher kommen zu lassen.
Im Nachhinein ertappe ich mich dabei, uns Frauen vielleicht doch nicht so ganz dieses große Fest mit einem so bedeutenden Kunstwerk zugetraut zu haben. Die Gedanken kamen mir beim Lesen des Buches über „The Dinner Party“. Da schreibt Judy Chicago: „Die herrschende Unkenntnis über unser Erbe als Frau … hat dazu geführt, dass wir alle unbewusst ein vermindertes Selbstwertgefühl haben…“ Wie wahr - und deshalb trauen wir uns selbst oft so wenig zu.

Erika Franze-Haugg

 

Letzte Aktualisierung: 18.12.03

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