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Schoenborn, Paul Gerhard: Kaj Munk - Der politische Pfarrer und Dichter, den die SS erschoss
Nordpark Verlag Wuppertal 2014, 96 Seiten, 6,50 Euro, ISBN: 978-3-935421-99-7

Am 5. Januar 1944, fand man frühmorgens die Leiche des dänischen Pastors Kaj Munk im Straßengraben einer Landstraße auf Hørbylunde Bakke bei Silkeborg. Am Abend zuvor hatte ihn ein deutsches Kommando in seinem Pfarrhaus in Vedersø an der Nordseeküste verhaftet, war mit ihm davon gefahren und hatte ihn kaltblütig erschossen. Es war ein von Hitler und Himmler angeordneter Terrorschlag. Mit der Ermordung Kaj Munks sollte der Widerstand im dänischen Volk gegen die Besetzung durch das Großdeutsche Reich eingeschüchtert werden.
Wer aber war dieser Kaj Munk? Geboren 1898 in Maribo auf der Insel Lolland, wirkte er zwanzig Jahre in der kleinen Kirchengemeinde Vedersø als Seelsorger, war aber zugleich ein begnadeter Dichter und gefragter Autor. Mit seinen Dramen wurde er zum gefeierten Erneuerer des skandinavischen Theaters seiner Zeit.

 Während des Zweiten Weltkriegs protestierte er in öffentlichen Vorträgen und mit seinem Schauspiel »Niels Ebbesen« gegen die Besetzung seines Vaterlandes durch die Deutschen. Seine politischen Predigten riefen, je länger der Krieg dauerte, immer unmissverständlicher zum Widerstand auf. Er wurde zur Symbolfigur des dänischen Freiheitswillens. Am 4.Januar 1944 verhaftete ihn deshalb ein eigens aus Berlin angereistes SS-Kommando und erschoss ihn unterwegs bei Silkeborg. Mit ihm sollte die Stimme des Widerstands in Dänemark zum Verstummen gebracht werden. Aber die Stimme des Toten tönte hinfort lauter und eindringlicher als die des Lebenden.
In Deutschland ist er, als Dramatiker wie als Widerstandskämpfer »mit der Waffe des offenen Wortes«, weithin unbekannt geblieben. Seit zwei Jahrzehnten bemüht sich Paul Gerhard Schoenborn, ehemals Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung in Wuppertal, darum, dass man diesen Dichterpfarrer aus Vedersø nun auch im deutschen Sprachraum stärker wahrnimmt. In Zusammenarbeit mit dem Deutschdänen Rolf Lehfeldt übersetzte er sieben der wichtigsten Dramen von Kaj Munk ins Deutsche: »Kaj Munk - Schauspiele« (Münster 2003). 2013 erschien seine Übersetzung der »Oxford-Schnappschüsse« des dänischen Dichterpfarrers. Im Jahre 2004 zeichnete der Kaj Munk Minnefond, Kopenhagen, ihn mit dem Kaj-Munk-Preis aus.
Gediegene Basisinformationen über Kaj Munk bietet auch dieses »Besondere Heft« des Wuppertaler Nordpark-Verlags. Es enthält drei längere Texte Paul Gerhard Schoenborns: einen Vortrag vor bergischen Schriftstellern: »Kaj Munk, der politische Pfarrer und Dichter, den die SS erschoss«, die autobiographische Skizze »Mein Weg zu Kaj Munk - meine Wege mit Kaj Munk« und eine detaillierte Übersicht über »Kaj Munk - Leben und Werk«. Außerdem findet man in dem kleinen, aber inhaltsreichen Buch zwei Originaltexte Kaj Munks : »Vor Cannae« , einen friedenspolitischen Einakter mit den besten dramatischen Dialogen, die Kaj Munk verfasst hat, übersetzt von Rolf Lehfeldt, und eine versgetreue und singbare Übersetzung des berühmten Liedes von der »Blauen Anemone« , das Pfarrer Christian Hartung aus Kirchberg/Hunsrück kongenial nachdichtete.
Übrigens: Das kleine Buch erscheint in der bibliophilen, bei Sammlern gefragten Reihe »Besondere Hefte«, die eigenhändig in der Werkstatt des Wuppertaler NordPark Verlages gesetzt, nach Bedarf in kleinen Auflagen gedruckt, handgefalzt, handgeheftet und mit einem besonderen Schutzumschlag eingeschlagen werden. Zu den Autoren dieser Reihe gehören so bekannte Wuppertaler Schriftsteller wie Arnim Juhre, Karl Otto Mühl und Hermann Schulz.

Olaf Thal
 

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