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Doris Schulz

Werner Kahl, Studienkoran Band 1, Die frühmekkanischen Suren chronologisch angeordnet, reimschematisch dargestellt und textnahe übersetzt, Studien zu interkultureller Theologie an der Missionsakademie, Missionshilfe Verlag, Hamburg 2015.

 

Der vorliegende erste Band des Studienkorans, der von Professor Dr. Werner Kahl im Zusammenhang mit seiner Verantwortlichkeit an der Missionsakademie für die christlich-muslimische Verständigung 2015 veröffentlicht wurde, soll gerade dieser Förderung der Verständigung von Muslimen und Christen dienen, und zwar insbesondere im Zusammenhang des theologischen und religionspädagogischen Studiums. Er erwuchs - wie es im Vorwort heißt - aus der Begegnung und dem intensiven Gespräch mit muslimischen Kollegen einerseits und christlichen und muslimischen Studierenden andererseits. Er kann von der Webseite der Missionsakademie kostenlos heruntergeladen werden (www.missionsakademie.de).

 

In diesem ersten Band sind die 43 Suren enthalten, die nach Angelika Neuwirth (2011) in die frühmekkanische Zeit des Auftretens des Propheten Muhammads datiert werden. Allerdings ist die genaue chronologische Anordnung der Suren nach Offenbarungszeit umstritten, deshalb werden im Anhang die verschiedenen Positionen, d.h. die von Angelika Neuwirth (2011), Theodor Nöldeke (1860) und der Kairo-Edition (1962) in einer Tabelle vergleichbar gemacht. Dennoch werden durch die chronologische Anordnung der Suren die Entwicklungen der Verkündigungen Muhammads seit ihren Anfängen transparent.
Für jede Sure werden zwei Buchseiten genutzt. Auf der linken Seite steht die Sure in deutscher Übersetzung, nummeriert nach A. Neuwerth, daneben der Titel, der sich meist auf einen Begriff aus dieser Sure bezieht, der durch Unterstreichung kenntlich gemacht wird. Neben dem Titel stehen die Nummern der vorgenannten Zählweisen in Klammern. Vorangestellt wird jeder Sure in kursivem Druck die „Basmala“, d.i. die wiederkehrende Einleitungsformel „Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers!“ Auf der rechten Seite steht der arabische Korantext in der Transliteration von Hans Zirker. Die Suren werden in reimschematischer Anordnung wiedergegeben, die durch Absätze und Einrückungen kenntlich gemacht werden. Die Übersetzung beruht, wie es im Vorwort heißt, auf der fruchtbaren Überlappung von traditioneller muslimischer Korangelehrsamkeit und westlich-internationaler akademischer Arabistik und Koranwissenschaft.
Der Islamwissenschaftler Elhakam Sukhni1 lobt den vorliegenden Band 1 des Studienkorans mit den Worten: „ Die Arbeit von Herrn Kahl ist sehr gut. Die Übersetzung ist sehr Text nah und sachlich.“ Sukhni verdeutlicht das beispielhaft „am Wort Kuffar, das oft als Ungläubige übersetzt wird, aber hier richtig mit Leugner (der Offenbarungswahrheit) übersetzt wird. Leugnen bzw. verdecken (z. B. der Wahrheit) entspricht dem Begriff kafir / kuffar tatsächlich linguistisch am ehesten“. Sukhni sieht „die Zielgruppe sowohl bei Muslimen als auch bei Nichtmuslimen, die sich für den Koran interessieren, als Forschungsgegenstand und auch aus allgemeinem Interesse“. Er stimmt mit dem Autor überein, der Studierende und Menschen, die im interreligiösen Gespräch stehen, als Leserinnen und Leser benennt. Das Buch soll dazu verhelfen, die geschichtliche Bezogenheit und Entwicklung der koranischen Offenbarungen zu begreifen und die Poesie zu erahnen, die Muslime beim Hören der Rezitationen wahrnehmen und empfinden. Diesen Zielen kann ich voll beipflichten und wünsche dem Buch eine große Resonanz.


1 Vorstandsmitglied i. d. Christlich-Islamischen Gesellschaft e.V. in Köln

 

Wörtliche Zitate aus dem besprochenen Buch wurden von mir kursiv gesetzt

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