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Die rheinische Kirchenprovinz – fern der weltweiten Ökumene

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Eine Nachlese zur Präseswahl 2013

 Die Zeiten, in denen der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), Thema und Streitpunkt auf landeskirchlichen Synoden und in der Evangelischen Kirche in Deutschland  (EKD) gewesen sind, sind offensichtlich vorbei. Das mag auch am Genfer ÖRK und seiner augenblicklichen Verfasstheit liegen, aber die Frage, wie groß der Anteil der deutschen Provinzkirchen an dieser Entwicklung ist, muss doch auch gestellt werden. Was bringe ich als Mitgliedskirche ein in die weltweite Ökumene? Wie weit bin ich offen, im Engagement für die gemeinsame Sache für meine eigene Kirche von anderen zu lernen? Welche Anstöße haben wir in unserer Kirche aus der Genfer Ökumene erhalten? Wie groß ist die  Bereitschaft zur gegenseitigen Rechenschaft? Hat  der ÖRK – diese weltweite Gemeinschaft von Kirchen – noch einen anderen Ort und Stellenwert als lediglich die Erwähnung in den Grundartikeln  der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR)?

Der ÖRK und die weltweite Ökumene ist im Rheinland kein Thema mehr, jedenfalls keines, das die Kandidatinnen und der Kandidat für das Amt des Rheinischen Präses für erwähnenswert  bzw. sie für ein Thema halten, mit dem sich Stimmen bei der Wahl gewinnen lassen. Das ist das Fazit nach dem zweimaligen Hören der Vorstellungsreden auf der Landesssynode im Januar  2013. Alle Drei, die rheinischer Präses werden wollen,  meiden die Genfer Ökumene.

Manchmal sind sie dem Wortlaut ganz nahe, aber sprechen sie nicht an. Ellen Ueberschär erwähnt die „weltweite Dimension“ der Kirche und die EKiR als „ökumenisches Projekt“, aber mit dem ÖRK in Genf hat das nichts zu tun. Jedenfalls verschweigt sie den Synodalen, wie dies mit Genf zu verbinden wäre. Dasselbe macht Manfred Rekowski, wenn er die „ökumenische Weite“ der EKiR preist, die nicht provinziell sei. Mit dem ÖRK verbindet er das expressis verbis nicht. Am nächsten kommt der Genfer Ökumene noch Petra Bosse-Huber. In der EKD sei sie  ökumenisch im Dialog mit den Orthodoxen engagiert und die gegenwärtigen Probleme seien nur zusammen mit den christlichen Kirchen in Europa anzugehen. Und die Kirchen in den anderen Kontinenten? Fehlanzeige! In ihrer Vorstellungsrede nennt sie Themen, die ihr wichtig sind: Eintreten für die Leidenden dieser Welt, vorrangige Option für die Armen, Gewaltfreiheit, unser bedrohter Planet. Es sind alles Stichworte, die zum Teil ihren Ursprung in der weltweiten Genfer Ökumene haben bzw. zu denen Entscheidendes aus Genf erarbeitet worden ist. Warum verschweigt sie den Synodalen das? Ist das Image des ÖRK in der Rheinischen Synode so schlecht, dass sein Name ungenannt bleiben muss?  Oder ist es allenfalls Vergangenheit? An die vergangenen Auseinandersetzungen um Apartheidpolitik und Antirassismusprogramm erinnert sie gleich am Anfang ihrer Vorstellung und wie wenig befreiungstheologisch die EKiR damit auf der Synode umgegangen sei. Auch an der Stelle kommt es ihr nicht über die Lippen, welche Lernerfahrungen Synoden und Presbyterien durch den ÖRK gemacht haben. Er bleibt ungenannt. Er ist im Rheinland offensichtlich  Vergangenheit.

Gegenwart sind Manfred Rekowski als Präses und Petra Bosse-Huber als Vizepräses, die allein rheinische Horizonte und rheinische Perspektiven im Blick haben – jedenfalls in den Reden, mit denen sie sich zur Wahl gestellt haben und von rheinischen Synodalen gewählt wurden.

 

Klaus Matthes

 

   

        

   

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