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Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“

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Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“

Nach 20 Jahren so aktuell wie 1989

Am 30.04.1989 verabschiedete die Ökumenische Versammlung in der Kreuzkirche in Dresden Wegweisendes, das maßgeblich auch zu der friedlichen Revolution im Herbst 1989 beitrug (bekannt durch: „Wir sind das Volk“ / „Ohne Gewalt“).
Die Aktualität damaliger Ergebnistexte zeigt ein Ausschnitt aus dem Ergebnistext 2.1.(1):
Leben in Solidarität – eine Antwort auf weltweite Strukturen der Ungerechtigkeit.
„Wesentliche Wurzeln und Triebkräfte der weltweiten Strukturen der Ungerechtigkeit liegen in dem durch kapitalistische, das heißt einseitigmarktwirtschaftliche Mechanismen geprägten internationalen Wirtschafts- und Finanzsystem. Es wird bestimmt durch die Sucht nach immer mehr materiellem Wohlstand, die Macht des Geldes und das vorrangige Streben nach Gewinnmaximierung und neigt dazu, ‘Armut zu verhöhnen oder einfach zu ignorieren’.“(…)

Wie entstand der Konziliare Prozess?

Bei der 6. Vollversammlung des Ökumenischen Rates in Vancouver 1983 legte die DDR-Delegation mit Probst Heino Falke den Vorschlag vor, ein weltweites Friedenskonzil zu veranstalten, um der bedrohlichen Raketenrüstung in Ost und West entgegenzutreten. Daraus entstand der „Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Wesentliche inhaltliche Aspekte des konziliaren Prozesses sind auch in die Agenda 21 der UNO-Konferenz in Rio de Janeiro 1992 in Antwort auf die Frage: Was ist zu tun im 21. Jahrhundert? eingeflossen. In verschiedenen Ökumenischen Versammlungen auf nationaler (DDR, BRD), europäischer und Weltebene (1990 in Seoul) sind die Kirchen Verpflichtungen zur Umsetzung eingegangen, die aber nur in Ansätzen oder gar nicht erfüllt wurden. Auch wird dieser Prozess zunehmend totgeschwiegen und erklärt, dass er überholt sei.
Tatsache ist, dass sich im Gegensatz zu diesem ethischen Anspruch des konziliaren Prozesses und der Agenda 21 von Rio 1992 und 2002 von Johannisburg im Zuge der Globalisierung ein Raubkapitalismus entwickelt hat, dem immer mehr Menschen und die Natur sowie kulturelle Güter zum Opfer fallen. Die Akteure von 1989 haben mit wachem Blick genau diese Entwicklung vorhergesehen – siehe Zitat.
Unsere Welt braucht heute ebenso wie 1989 den Geist des konziliaren Prozesses mit seinen Zielen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, mit anderen Worten ökonomische Vernunft, ökologische und soziale Gerechtigkeit (global und lokal).
Wesentliche inhaltliche Anstöße zum konziliaren Prozess kamen damals in Form von etwa 10 000 Zuschriften aus der Bevölkerung der DDR, die sich auch auf diese Weise mit ihrem kritischen Verstand, ihren sachlichen Beschwerden und ihrer neu erwachten Zivilcourage der Unrechtsherrschaft der SED entgegenstellten. Die „Diktatur des Proletariats“ haben wir hinter uns gelassen, aber die lebenswichtigen Ziele beider Prozesse, nämlich Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Einheit von Ökonomie und Ökologie sind noch längst nicht politisch wirksam geworden, im Gegenteil, die aktuelle Finanzkrise und der Umgang der Politiker und der Wirtschaftsbosse mit dieser verheerenden Entwicklung zeigen, wie notwendig – im wahrsten Sinne des Wortes „Not wendend“ – der Protest und die Mitwirkung der Bürger in ganzer Breite erforderlich ist. Bildungseinrichtungen, die Wirtschaft und vor allem die Finanzwelt brauchen einen neuen Geist, eine Ethik der Verantwortung für alle Gliederungen der Gesellschaft!
An drei verschiedenen Orten der damaligen DDR sind mit dem konziliaren Prozess in Verbindung mit dem Agenda 21-Prozess beispielhafte Umsetzungsstrategien entstanden, die zeigen, welche Chancen der Prozess in Zukunft bietet:

Nordhausen

In Thüringen war der Landkreis Nordhausen Anfang der 1990er Jahre in vielerlei Hinsicht aktiv. Das Kirchliche Umweltseminar (gegründet 1983) einschließlich dem Cafe Konzil und dem Projekt „Ökologischer Landkreis – Umweltgerechte Raumnutzung“, mit der Gründung der „Umweltakademie Nordthüringen“ und durch Beteiligung an dem internationalen Projekt „Kommunale Naturhaushaltswirtschaft“ sind Beispiele. Fast alle Kommunen haben sich aktiv in den lokalen Agenda 21-Prozess für eine nachhaltige Regionalentwicklung mit vielen Modellprojekten und Initiativen eingebracht. Dieser Landkreis wurde 2002 im Rahmen der Tagung der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung in Johannesburg durch den Landrat vertreten.
Sowohl die Stadt als auch der Landkreis Nordhausen haben im Jahr 2007 die Charta von Aalborg (Charta der Europäischen Städte und Gemeinden auf dem Weg zur Zukunftsbeständigkeit) unterzeichnet.

Treptow-Köpenick (Berlin)

Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick entstand auf der Grundlage beider Prozesse eine neue gemeinsame Struktur zwischen Verwaltung und der Zivilgesellschaft, in der die kommunale Ökumene mit dem konziliaren Prozess ein gleichberechtigter Partner ist. Das Zusammenführen des Rio-und des konziliaren Prozesses setzt Synergien frei, die für die Zukunft notwendig sind. So entstanden unter anderem aus diesen Synergien innerhalb kurzer Zeit Interkulturelle Gärten als Orte der Integration, des Kennenlernens und der Abwehr von rechtem Gedankengut.
Die kommunale Ökumene eröffnet neue Möglichkeiten, gemeinsame Projekterfahrungen in Nord-Süd-wie in West-Ost-Gemeindepartnerschaften, zu sozialen Tafeln („Laib und Seele“) und auf ökologischen Problemfeldern (Klimaschutz) zu sammeln.

Joachimsthal bei Eberswalde

Die Kommunität Grimnitz e.V., eine christliche Arbeits- und Lebensgemeinschaft, hat sich in ihrer Satzung den Zielen des konziliaren Prozesses verpflichtet. Eines ihrer wichtigsten Vorhaben ist das Projekt „Solidarische Ökonomie“, das sie durch Mitarbeit in der bundesweiten „Akademie auf Zeit Solidarische Ökonomie“ und durch das von ihr mit Hilfe der Sparkasse Barnim eingeführte zinsfreie und leistungs­gedeckte regionale Zahlungsmittel „Oderblüte“ verfolgt. Dieses wird getragen von der Genossenschaft „Wirtschaftsring Barnim-Uckermark“, deren Mitglieder die Oderblüte neben dem Euro unter einander in Zahlung nehmen, um so in Solidarität miteinander und mit der Region zu wirtschaften und im Kleinen eine Alternative zum unsolidarischen kapitalistischen Wirtschaftssystem zu entwickeln.
Wir, die Verfasser dieses Artikels, sind überzeugt, dass der konziliare Prozess in Verbindung mit dem gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsprozess eine gute Grundlage für neues Handeln im lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Zusammenhang darstellt.
Wir rufen Bürgerinnen und Bürger, Christen, Nichtchristen und Menschen anderer Religion auf, sich den Prozessen anzuschließen, sie neu zu beleben und die Leitungsgremien in Kirche, Politik und der Wirtschaft nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in der Welt endlich ernsthaft zu verwirklichen.

Kontaktadressen der AutorInnen:
Dr. H.-J. Fischbeck, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel.: 033361 72095
Gisela Hartmann,
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel.: 03631 881670,
Dr. Klaus Wazlawik, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,
Tel.: 030 6557561

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